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DIE ORGELN
 

Die Orgel in St. Rochus

Die Orgel der St. Rochus-Kirche in Bonn - Duisdorf

Die Weimbs-Orgel der Duisdorfer St. Rochus-Kirche bereichert die Bonner Orgelland­schaft um ein bedeutendes Werk. Das Instrument – in der Rhein-Maas-Ländischen-Orgelbautradition stehend - eignet sich sowohl für die Darstellung der klassischen als auch der modernen Orgelliteratur, wobei seine klanglichen Vorzüge insbesondere der deutschen und der französischen Orgelro­mantik entgegenkommen.
Die Orgel steht mittig auf der Empore, frei und offen, wie auf einer grossen Handfläche, die eine Klangabstrahlung zu allen Seiten ermöglicht. 
Ihre Gehäusegestaltung steht im Dialog mit dem neoromanischen Kirchenraum. Der Prospekt ist streng symmetrisch gegliedert, die Labien der Prospektpfeifen verlaufen waagerecht, ent­sprechend der Oberkante der Emporenbrüstung. Die Aufteilung der verschiedenen Orgelwer­ke wird von innen nach aussen erkennbar. Der mittlere Gehäuseteil beinhaltet die drei Manu­alwerke, umgeben von dem rechts uns links angeordneten Pedalwerk.
Das massive Eichenholzgehäuse wurde geölt und gibt seine natürliche Holzmaserung wider. Versilberte Kugeln bilden in ihrer modernen Ornamentik den oberen Gehäuseabschluss und tauchen, im Zusammenspiel mit dem wechselnden Tageslicht, das Instrument in zurückhal­tender Eleganz in eine atmosphärische Farbigkeit. 
Die Orgel verfügt über 36 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Das Konzept dieses Instrumentes beinhaltet eine zweimanualige klassische Orgel (Hauptwerk und Echowerk), ein romantisches Schwellwerk und ein mächtiges Pedalwerk- als neutrales Fundament.

Hauptwerk:

Die Disposition des Hauptwerkes auf 8’-Basis besitzt neben einem lückenlosen Principalchor vom 8’ bis zum 2’ ein Register der Streicherfamilie, zwei Flöten in 8’- und 4’- Lage und einen Bordun 16’ aus Holz und Metall, der dem Werk Gravität verleiht. Quinte 2 2/3’ und Terz 1 3/5’ bilden zusammen mit Principal 8’, Oktave 4’ und Oktave 2’ ein prinzipalisches Cornet décomposé und ermöglichen das Wechselspiel mit dem überblasenden Cornet décom­posé des Schwellwerkes. Mixtur V 2’ und Trompete 8’ verleihen dem Werk Brillianz.

Schwellwerk:

Das Schwellwerk beinhaltet die romantischen Register. Diese stehen in einem geschlossenen Gehäuse, dessen vordere, in den Kirchenraum gerichtete, Jalousien während des Orgelspiels stufenlos geöffnet und geschlossen werden können. Dadurch wird der austretende Klang vom Pianissimo bis zum Fortissimo regelbar. Mit dem streichenden Geigenprincipal  8’ und zahl­reichen weiteren 8’-Stimmen (jeux de fonds) besitzt das Schwellwerk, neben einer tiefliegen­den Mixtur (Progressio II-IV), drei überblasende Register in 2 2/3’-, 2’- und 1 3/5’- Länge. Als Soloregister dient hier die Doppelflöte 8’, deren Doppellabium einen hochromantischen, nahezu sphärischen Klang erzeugt. Trompete 8’ und Klarine 4’ geben dem Werk Kraft, die Register Fagott 16’ und Oboe 8’ legen zusammen mit den jeux de fonds den Klangteppich für romantische Literatur und entfalten ihre Wirkung insbesondere beim Öffnen und Schliessen des Schwellers.
Als Besonderheit sei hier die Subkoppel erwähnt, welche die untere Oktave der gezogenen Register mitspielen lässt, wobei beispielsweise das Fagott 16’ gleichzeitig in der 32’-Lage er­klingt. Diese Wirkung wird auch in gekoppeltem Zustand auf das Hauptwerk übertragen.

Echowerk:

Das Echowerk enthält als kleinstes Manualwerk ein jeux de fonds-ensemble, bestehend aus den drei 8’- Stimmen. Oktave 4’ als Grundlage und Querflöte 4’ und Flageolet 2“ – als über­blasende Register – vervollständigen den Gesamtklang. Sämtliche Register dieses Werkes stammen aus der früheren Orgel des Orgelbauers Schorn und passen sich hervorragend in die Klangcharakteristik der neuen Stimmen ein.     
Das Register Salicional 8’ ist tiefer gestimmt, sodass im Zusammenklang mit einer der beiden weiteren 8’-Stimmen eine aparte Schwebung entsteht, die, im Gegensatz zu der höherliegen­den Schwebung Vox coelestis 8’ des Schwellwerkes, einen leicht melancholischen Klangcha­rakter besitzt.
Das Echowerk befindet sich ebenfalls in einem schwellbaren Gehäuse. Durch dieses zweite schwellbare Werk werden die klanglichen Möglichkeiten der Orgel im Bereich der romanti­schen Literatur und vor allem der Improvisation enorm erweitert.  

Pedal:

Das Pedal ist ganz auf einen fundamentalen Klang hin ausgerichtet.
Violon 16’, in voller Länge, Subbass 16’ und die beiden 8’ – und 4’- Flöten bilden ein solides, in der Wirkung abstufbares Fundament. Bennophon 16’ und Trompete 8’ ergänzen das Zun­genensemble der Manuale in der Basslage.

Windversorgung:

Die Orgel arbeitet mit „freiem Wind“. Dieser wird über einen Magazinbalg, mehrere Doppel­faltenbälge, Kanäle und Kondukten in die Windladen geblasen. Das Instrument entwickelt, durch diese sogenannte zentrale Windversorgung, einen monumentalen Raumklang. Der Zu­hörer empfindet den Orgelklang als voluminös und weich. Die Transparenz bleibt erhalten, die Einzelregister heben sich bei homophonem Spiel wohltuend im Bereich der melodiebe­wegten Passagen von den begleitenden Harmonien ab. Davon profitieren insbesondere die tonmalerischen Register der Flötenfamilie und der Streicher. Der „atmende Wind“ verhindert, dass die immensen Klangkräfte mit explosiver Stärke entladen werden.

Die neue Weimbs-Orgel – wie alle Instrumente des Hauses in kunsthandwerklicher Manier gebaut – gibt Zeugnis von der hohen Qualität der ausgewählten Materialien, der hervorragen­den Ausführung und der Passion aller Mitwirkenden für ihr Schaffen.                                   Werner Witzenhausen

 

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FIRMA JOSEF WEIMBS
Orgelbau seit vier Generationen

Die Orgelbau-Familie Weimbs in Hellenthal/Eifel besteht seit dem 01. Oktober 1927, als Jo­sef Weimbs sich selbständig machte. Schon sein Vater arbeitete seit Ende des vorigen Jahrhunderts als Orgelbau-Schreiner bei den Gebrüdern Müller in Reifferscheid, die über einhundert Orgeln in der Eifel, im Köln/Bonner und im Aachener Raum, bis zum Grenzgebiet von Belgien, den Niederlanden und Luxemburg gebaut und installiert haben.
Die erste eigene Orgel von Josef Weimbs entstand für die Hellenthaler Pfarrkirche St. Anna.
Sein Sohn, ebenfalls mit Vornamen Josef, führte das Werk nach dem Tod des Vaters im Jahre 1949 fort und baute es aus. In besonderem Maß wur­de die Firma Weimbs dadurch ausgezeichnete und - das war damals außer­gewöhnlich - die historische Substanz bewahrende Restaurierungen be­kannt. Mehr als achtzig solcher Arbeiten, haben den Namen des kleinen Eifeler Familienbetriebes über die Grenzen des Landes getragen.
Besonders zu erwähnen: die Restaurierung der berühmten Orgeln des Klosters Steinfeld (1981) und der Schloßkirche in Schleiden (1988). Bei­de Orgeln stammen von der seit dem 18. Jahrhundert im Rheinland an­sässigen Orgelbau-Familie König und gehören zu den bedeutenden Or­geln des linksrheinischen Raumes. Die meisten erhaltenen Schornorgeln konnten von Weimbs erhalten werden. 1994 wurde Sohn Friedbert Mitinhaber des Unternehmens, seit 1998 führt er zusammen mit Sohn Frank die Firma. Mit vierzehn Mitarbeitern ist sie nach wie vor ein Familienunternehmen geblieben. 

In den letzten Jahren wurde eine Reihe technisch und musikalisch inte­ressanter Neubauten entwickelt und einige wichtige Restaurierungen durchgeführt. Zu den größeren Neubauten zählen die Orgeln im bayrischen Ansbach (41 Re­gister) und in Singen (35 Register). Auch die neue Orgel für die spätbarocke Kirche St. Michael in Aachen­-Burtscheid (36 Register) kommt aus Hellenthal. Planungen für Restaurie­rungen in Österreich und Rumänien, Anfragen aus Hanoi (Vietnam) zeu­gen vom Renomée des Eifeler Betriebes.

Herausragende neue Werke: die großen Orgeln für die Basilika St. Ge­reon, Köln und St. Rochus in Bonn-Duisdorf - 35 und 36 Register. 2001 wurde die Orgel von St. Gereon einge­weiht.

Die Hellenthaler Firma Weimbs gehört zu den renommierten unter den einhundertzwanzig Unternehmen, die in Deutschland heute Orgeln entwerfen, bauen und restaurieren.

Die Orgel in St. Augustinus

Aus Gebietsteilen der Pfarreien St. Rochus in Duisdorf und St. Peter in Lengsdorf wurde 1960 die Rektoratspfarre St. Augustinus gebildet; zwei Jahre später begannen die Arbeiten zum Bau eines Pfarrzentrums nach Plänen des Kölner Architekten Stefan Leuer.

1964 konnte in der neuen Kirche erstmals Gottesdienst gefeiert werden. Im Jahr darauf wurde das neue Geläute aus 5 Glocken installiert; mit gleicher Umsicht fasste der Kirchenvorstand den Bau einer neuen Orgel ins Auge: 1965 begannen die Planungen, zwei Jahre darauf wurde ein Instrument aus der Bonner Werkstatt Klais durch den damaligen Kölner Domorganisten Josef Zimmermann eingeweiht.

Sie darf im Blick auf ihre architektonische Einpassung in den Raum als Musterfall gelten: den Grundriss der Kirche bildet ein Dreieck mit leicht gebogenen Seiten – ein Symbol für die Dreifaltigkeit des Göttlichen Wesens; in der rückwärtigen Spitze dieses Dreiecks, der Breitseite des Altarraumes gegenüber, steht die Orgel frei im Raum, erhöht auf einem zweistufigen Steinpodium. Der turmartige, gestreckte Aufbau lässt – von unten gesehen – sogleich die drei Teilwerke erkennbar werden: das Brustwerk (II. Manual) mit seinen schwellbaren Doppelfalttüren, sodann das Hauptwerk (I. Manual) und das Pedalwerk in symmetrischer Entsprechung. Die von außen nach innen abfallenden Pfeifenabläufe in Haupt- und Pedalwerk bilden jeweils ein Dreieck, so dass sie, zusammen mit der eingesenkten Gehäusedecke, den Grundriss des Kirchenraumes aufgreifen. Kontrastierend dazu weist das Brustwerk gegenläufige Pfeifenstellungen auf.

Orgelbau Klais (1967), L 167
 


Die Klais-Orgel von 1967 (man beachte die ursprüngliche Einfassung des Steinpodiums).

Die Disposition – als Auflistung der Register und Spielhilfen – zeigt, dass diese Orgel ihrer Entstehungszeit entsprechend einem neo-barocken Typus verpflichtet ist. Gleichwohl ist die Handschrift des Orgelbauers ebenso erkennbar wie diejenige der beiden anderen Disponenten (Domorganist Josef Zimmermann, Köln, und Hans Steinhaus, seinerzeit Leiter des Kirchenchores).

Die Anzahl der Manuale (2) und Register (21) entspricht in überzeugender Weise dem Volumen des Raumes und seiner Akustik.

 

Disposition

I. Hauptwerk C-g3       II. Brustwerk C-g3       Pedal C-f1

Praestant 8’ (P)            Rohrflöte 8’                  Subbass 16’

Holzgedackt 8’             Blockflöte 4‘                Principal 8‘ (P)

Principal 4‘                   Principal 2‘                   Holzoctav 4‘

Holztraverse 4‘             Nasard 1 1/3‘               Piffaro 2f. 2’

Sesquialter 1-3f. 2 2/3’  Non 8/9‘                      Fagott 16‘

Mixtur 4f. 2‘                 Cymbel 3f. 2/3’           

Dulcian 16‘ (P, horiz.)   Krummhorn 8‘

Trompete 8‘    

(P) = Register im Prospekt

Koppeln II-I, I/Pedal, II-Pedal; Tremulanten II, I; 2 freie Kombinationen. Tutti.

Mechanische Spieltraktur (Seiltraktur), elektrische Registertraktur. Schleifladen.

© Hans Steinhaus (2009)