Bonn. "Chiffren von reiner Klangseligkeit im Kontext von Fragilität und Gefährdung" erkennt Martin Geck in seiner Mozart-Biografie in dessen letzten Werken. Gelegenheit, diesen Chiffren nachzuspüren, bot das Konzert in der vollen Duisdorfer Kirche St. Augustinus mit dem Oratorienchor Bonn-Duisdorf und dem Orchester St. Rochus, verstärkt durch Instrumentalisten aus dem Beethoven Orchester Bonn unter Leitung von Franz Reißner.
Das "Ave verum" (KV 618), das Klarinettenkonzert A-Dur (KV 622) und das Requiem d-Moll (KV 626), jeweils in Mozarts Todesjahr 1791 vollendet oder Fragment geblieben, wurden in einer profunden Gesamtleistung aufgeführt.
Reißner scheute sich nicht, den süßen Melodienstrom der Motette "Ave verum" voll auskosten zu lassen und vermied zugleich all zu starke Übertreibungen. Auch im Klarinettenkonzert animierte er zu agilem Musizieren und hielt sich, wenn nötig, dezent im Hintergrund, um der Solistin Annelien Van Wauwe Raum zu geben.
Die junge Klarinettistin bezauberte durch einen ganz weichen Klang, dessen Obertonreichtum in dem großen Kirchraum besonders zur Geltung kam. Manche Spitzentöne gingen darin etwas unter, aber das macht nicht viel, wenn man den "Spuren der Transzendenz", die der Theologe Hans Küng im Klarinettenkonzert erlebt, so nahe ist wie im zweiten Satz, in dem man geneigt ist, den Atem anzuhalten.
Mit virtuoser Musikalität ließ Van Wauwe das Rondo erstrahlen, das mit manch düsterem Hörnereinsatz nicht nur heiter daherkommt und insofern schon aufs Requiem verweist. Der Chor zeigte sich technisch versiert in der Kyrie-Fuge, herzzerreißend im "Lacrimosa", und mit geballter Wucht ließ Reißner das "Dies irae" erklingen.
Das gute Solistenquartett mit Filicitas Fuchs (Sopran), Margarete Joswig (Alt), Richard Resch (Tenor) und Franz Hawlata (Bass) ergab das i-Tüpfelchen. Auf die ergreifende Schweigeminute - insbesondere für eine während der Proben verstorbene Sängerin - folgte langer Applaus.